Der West-Östliche Diwan

Idee & Realisierung: Thomas Nufer

 

Dr. Jörg Bockow Online auf www.westfalium.de

Immer schön auf dem Teppich bleiben

Münster – Thomas Nufer, Aktionskünstler aus Münster, ist immer für eine spektakuläre Idee gut. Im September will er mit einer beispiellosen Aktion zwei Kulturen miteinander ins Gespräch bringen. In Zeiten von wachsendem Fremdenhass in Deutschland ist das ein ebenso bemerkenswertes wie begrüßenswertes Unterfangen. Mit Johann Wolfgang von Goethe ist Nufer davon überzeugt: „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.” (Goethe)

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Mit dem “West-Östlichen Diwan” mitten in Münster bringt Aktionskünstler Thomas Nufer eine Idee zum Fliegen. Das Leitmotiv der spektakulären Aktion ist der Austausch der Kulturen – Foto: Thomas Nufer

Am 15. und 16. September sollen sich auf dem Domplatz in Münster die deutsch-westfälische und die arabisch-persische Kultur begegnen – ganz direkt und vis-a-vis auf dem „West-Östlichen Diwan”. Nufer will dafür den Domplatz in Münster mit hunderten (Orient-)Teppichen auslegen, auf denen man am Samstagabend und Sonntag Platz nehmen und miteinander reden kann. Münster wird zu einem Ort aus 1001 Nacht, auf dem Geschichten, Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht werden können.

Das Projekt soll die Vielschichtigkeit und den Einfluss arabisch-persischer auf die europäisch-deutsche Kultur ins Bewusstsein rufen. Das Projekt ist ein Beitrag zum Münsteraner Friedensjahr 2018. Nufer weiß: Wer miteinander redet, lernt sich kennen – muss sich nicht von einander abgrenzen.

“Vorausgegangen sind meine Besuche auf dem Marktplatz in Marrakesch, dem Djemaa el-Fna”, erzählt der engagierte Künstler. “2001 wurde dieser als erster Ort in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Dort versammeln sich täglich Erzähler, Handwerker, Künstler und Gastronomen und führen  Menschen verschiedenster Herkunft und Sprachen zusammen.”

“Der ‘West-Östliche Diwan’ (arab. für Zusammenkunft) führt Menschen aus zwei Kulturkreisen – dem deutsch-westfälischen und dem arabisch-persischen – unverstellt zusammen und arbeitet Eigenarten und kulturelle Unterschiede heraus, um sie näherzubringen”, freut sich Nufer auf die spontanen Begegnungen. “Unbekannte Lebenswelten kreuzen sich.”

Verschiedenheit zu akzeptieren, bedeutet, das Fremde nicht länger als Gefährdung der eigenen Identität zu verstehen, sagt Nufer. “Denn je mehr man sich abgrenzt, desto mehr nimmt man sich die innere Freiheit.” Der „West-Östliche Diwan” schafft Öffnung durch Neugier – durch Neugier auf die Schönheit der arabischen und persischen Literatur und Poesie sowie umgekehrt auf die deutsche, durch das Interesse an den vielfältigen Ausdrucksformen der Musik und der Originalität des Tanzes aus Orient und Okzident und durch die Lust auf die unterschiedlichen Speisen und Essgewohnheiten.

In spätsommerlicher Leichtigkeit soll die Begegnung auf dem „Diwan” die Besucher einladen, die Welt anders zu betrachten und den Blick zu befreien. Die Devise heißt: Immer schön auf dem Teppich bleiben! Wer gemeinsam erlebt, beginnt anders zu bewerten und zu fühlen. Menschen begegnen sich auf Augenhöhe. Das kollektive Eintauchen in beide Welten, das Teilen von Freude und Stolz über die eigene und die andere Kultur erzeugt ein Gefühl von Gleichrangigkeit und Würde. Das sind entscheidende Erfahrungen für ein gelungenes und friedliches Zusammenleben.

Der „Diwan” soll gleichzeitig vor Augen führen, wie kosmopolitisch die Menschen in Münster denken und wie selbstverständlich sie dies tun. In dieser offenen und weltzugewandten Stadt, die sich stets klar gegen nationalistische Einflüsse abgegrenzt hat, setzt der „Diwan” ein unübersehbares Zeichen. Denn es geht auch darum, der Energie von rechts etwas entgegenzusetzen, mit Ideen, Visionen und dem Willen, sich nicht verdrängen zu lassen.

Auf dem “Diwan” wird gelesen, gespielt, geredet und gemeinsam gegessen – ein Hoch auf die Unterschiede!

Teppiche gesucht

Übrigens kann man sich auch rein praktisch an dem Projekt beteiligen: Denn es werden noch Teppiche gesucht, die zur Veranstaltung auf dem Domplatz ausgelegt werden können. An der Rösnerstraße 10, da wo die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWM) ihre Zentrale haben, ist eine Sammelstelle eingerichtet. Die Teppiche werden in einem Container gesammelt. Und wer noch einen Anreiz braucht: Wer seine Teppichspende mit seinem Namen und seiner Adresse versieht, der nimmt noch an einer Verlosung teil.

www.thomasnufer.com